E3 2006 Messe 2006
Dieser Eintrag hält einen Beitrag der Redaktion fest: ein Special mit dem Titel E3 2006 Messe 2006.
Specials waren die längeren Stücke des Bestands: Entwicklerprofile, Messeberichte und Hintergründe, die über die Tagesmeldung hinausgingen und ein Thema über mehrere Seiten verfolgten.
Der Beitrag im Wortlaut
Special von Michael Nordhaus 19. Mai 2006 E3 2006 Die Messe 2006!
Jeder von euch hat sicher seine eigenen Highlights und Enttäuschungen der E3 2006, doch wer nun auch interessiert daran ist wie die Redaktion von GameVision die diesjährigen Messe gesehen hat, der sollte sich das Special nicht entgehen lassen.
Es ist nun genau eine Woche her, da endete die Electronic Entertainment Expo, kurz E3, in Los Angeles. Es gab, wie auch in den Jahren davor, zahlreiche neue Informationen, Spielankündigungen oder –einblicke, die um die ganze Welt gingen und sowohl in Japan, als auch in Südafrika oder auch in Deutschland für Furore und Aufsehen sorgten. Eine Messe, die durch die immer mehr wachsende Videospiel-Fangemeinde eine immer größer werdende Aufmerksamkeit in der Welt erzielte. Was in diesem Jahr so alles bekannt gegeben wurde kann wohl im Detail niemand so richtig wiedergeben. Doch jeder, der sich mit dem Megaevent auseinander gesetzt hat, wird seine eigenen Highlights oder auch Enttäuschungen auf der Messe erlebt haben, wozu natürlich auch unsere Redakteure gehören, die im Folgenden ihre Eindrücke der diesjährigen E3 zum Besten geben.
Torsten Kägler: Noch immer wirkt die E³ auf mich, denn die euphorische Stimmung hält seit Tagen bei mir an. Dies liegt vor allem daran, dass Nintendo Wii ausführlich vorstellte und spätestens seit einigen Tagen für mich feststeht: Diese Konsole ist gekauft. Zahlreiche Toptitel, darunter Wii Sports, das neue Zelda und vor allem Red Steel haben es mir angetan. Mein Warenkorb wird beim Launch reichhaltig gefüllt sein. Ebenfalls erfreut war ich über den Release von Grand Theft Auto 4 für Xbox 360 und Playstation 3. Die Mannen von Rockstar setzen auf die beiden Konsolen der Zukunft und stellen den Käufer nicht vor die harte Entscheidung, ob man die Konsole XY kauft, da hierfür das neue GTA erscheinen wird.
Enttäuscht war ich von der Präsentation der Playstation 3. Zwar können einige Titel überzeugen, die Online-Plattform wird Spaß mit sich bringen und auch das neue SingStar dürfte für viele spaßige Stunden sorgen, der große Magnet fehlt allerdings. Vor allem der hohe Einstiegspreis lässt mich daran zweifeln, dass ich meine Sammlung der Konsolen frühzeitig mit der Playstation 3 bestücken werde. Zudem enttäuscht mich der Controller. Keine Vibrationsfunktion, wenig Optimierung, abgeschaute Techniken der Konkurrenten lassen die Kinnlade nicht nach unten fallen. Ich hoffe, dass die Software noch überzeugen kann. Beispielsweise Gran Turismo HD ist nur eine Neumischung aus alten Teilen mit aufgebohrter Grafik. Der Spieler will allerdings neue Spiele und hofft dabei auch auf Innovationen.
Dennis Leschnikowski: Die diesjährige E³ stand, bedingt durch den Start der PlayStation3 und des Nintendo Wii, natürlich unter einem ganz besonderen Stern. Bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag rief Sony zur Pressekonferenz und sowohl die anwesende Fachpresse, als auch tausende Spieler an den heimischen PCs waren gespannt auf die neue Konsole des Platzhirsches. Die Geschehnisse der folgenden zwei Stunden hätte in dieser Form wohl niemand erwartet. Nach langweiligen Statistiken und Verkaufszahlen wurden endlich die ersten Titel der PlayStation3 vorgestellt, die auch schnell für Ernüchterung sorgten. Technisch ordneten sie sich deutlich hinter den vollmundigen Versprechen Sonys ein und auch spielerisch wurde nicht viel Neues geboten. Da ist es eigentlich verständlich, dass der Applaus der anwesenden Journalisten recht bescheiden ausfiel. Den sprichwörtlichen Bock schossen die Offiziellen von Sony jedoch erst gegen Ende der Pressekonferenz. So stellte sich Ken Kutaragi in einer, selbst für Sonyfans befremdlichen, Selbstverliebtheit vor das Publikum und präsentierte die größte „Innovation“ der PlayStation3. Ein einfacher Kippsensor, den es vor einigen Jahren bereits auf dem PC gab. Dass diese Funktion, für die unter anderem die Rumblefunktion gestrichen wurde, eindeutig eine Reaktion auf den Nintendo Wii ist, dürfte jedem klar sein. Da aber der neue Controller genauso wenig überzeugen konnte wie die gezeigten Titel, könnte es für Sony meiner Meinung nach in den nächsten Jahren sehr schwer werden. Da auch der Preis mit 600 Euro sehr hoch ausfällt, startete die PS3 als strahlender Adler und endete nach der E³ als gerupfte Ente.
Überzeugend hingegen fiel der Auftritt der beiden Mitstreiter aus. Während Nintendo mit dem Wii und seinen neuen Möglichkeiten das Publikum begeisterte, stellte Microsoft unter anderem Highlights wie Halo3 und Gears of War vor, welche technisch auf ganzer Linie zu überzeugen wussten. Spätestens nach dieser E³ dürfen wir uns also auf einen spannenden Kampf um die Krone der NextGeneration-Konsolen freuen.
Sebastian Geiger: Als bekennender PC-Spieler beschäftige ich mich natürlich mit den E3-Titeln für meine bevorzugte Spieleplattform. Zunächst möchte ich die Gründe für meine Enttäuschung der E3, Armed Assault, beleuchten. Ohne Zweifel wird der inoffizielle Operation Flashpoint Nachfolger kein schlechtes Spiel werden, jedoch habe ich mir mehr erhofft. Neben Spielen wie Crysis oder Unreal Tournament 2007 wirkt der Multiplayer-Shooter eher wie ein schlechter Witz. Zwar hat man gegenüber dem Vorgänger die Figuren mit Hilfe von Motion Capturing etwas aufpoliert und die Texturen geschärft, aber zum grafischen Highlight reicht dies bei weitem nicht. Erweiterungen der Karten auf bis zu 400 Quadratkilometer helfen hierbei nur wenig. Für mich ist Bohemia Interactive neustes Werk höchstens ein Add-On zu Operation Flashpoint.
Natürlich gab es für mich auch positive Überraschungen auf der E3 zu vermelden. So beeindruckte mich persönlich Spore aus dem Hause Electronic Arts am meisten. Eigentlich kein Wunder wenn man bedenkt, dass hinter diesem Projekt der Erfinder von Die Sims, Will Wright, höchstpersönlich steckt. Das Spielkonzept erscheint mir nahezu revolutionär – von der kleinen Mikrobe bis hin zur riesigen, hochentwickelten Zivilisation. Doch der Reihe nach. Zuerst sammelt man durch kleine Kämpfe genug DNA-Punkte um seinen „Charakter“, einen Einzeller, weiter aufzuwerten. Hierbei lassen die Entwickler der Fantasie des Spielers freien Lauf. Nach Belieben kann der Körper der Kreatur verformt werden. Dies geschieht solang bis man seine eigene kleine Zivilisation aufgebaut hat. Selbige wird sich im Laufe der Zeit immer weiterentwickeln. Bis sie letztendlich in der Lage dazu ist das Universum zu bereisen. Dort trifft der Spieler auf zahlreiche andere Völker, mit welchen Bündnisse geschlossen werden können aber auch Kriege zu entfachen drohen. Optisch bietet Entwickler Maxis, wie die ersten Bilder erkennen lassen, eine gut aussehende, comicähnliche Grafik. Ferner befindet sich eine Online-Datenbank in Planung, in der allerhand Völker anderer Spieler bezogen werden können, um diese dann in sein eignes All einzubauen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt ob der Titel meine nun sehr hohen Erwartungen erfüllen kann.
Marco Cabibbo: 2005 war die Xbox 360 das Highlight der Messe, in diesem Jahr ist es Nintendos Wii. Seltsamer Name, aber angesichts des tollen Konzepts und der vielen guten Spiele kann ich da drüber hinwegsehen. Glaubte ich vor einem halben Jahr noch, Nintendo würde mit dem Revolution untergehen, sieht es nun ganz danach aus, als sei Big N wieder da. Doch auch Microsoft´s 360 war sehr gut bedient. Titel wie Gears of War oder Halo 3 stehen neben Nintendos Zelda und Red Steel ganz oben auf meiner Warteliste.
Enttäuscht bin ich hingegen, wie leider viele, von der Playstation 3. Ein unglaublich hoher Einführungspreis, ernüchternde Präsentation und vom Glanz á la Killzone im Jahr 2005 war weit und breit nichts mehr zu sehen. Zudem macht Sony den gleichen Fehler wie Microsoft und bringt die PS3 in zwei Fassungen raus, wo nach kurzer Überlegung sowieso zur teureren Fassung gegriffen wird. Auf den Start im November bin ich auf jeden Fall sehr gespannt. Sollte sich in Sachen Lineup und Preis anschließend nichts tun, wird die PS3 wohl die letzte der neuen Konsolen in meinem Sortiment sein.
Stephan Andrös: Als einige Tage vor der E3 die Zeiten für die jeweiligen Pressekonferenzen der drei Großen der Videospielbranche bekannt wurden, war ich mir noch nicht im Klaren darüber ob ich alle Pressekonferenzen mitverfolgen würde. Jedoch entschloss ich mich am Montagabend spontan dazu mit meinem Kollegen Leschnikowski, welcher am Dienstag um sechs bereits wieder aus den Federn musste, bis ein Uhr auf zu bleiben und den Live Stream bzw. die Live Ticker zu verfolgen. Als es dann um ein Uhr Mitteleuropäischer Zeit soweit war, durften wir noch eine weitere Stunde warten. Danach blieben wir weitere eineinhalb Stunden auf um die Highlights am Ende der Pressekonferenz nicht zu verpassen. Jedoch blieben Highlights wie ich sie mir gewünscht habe aus. Allgemein hat mich die Playstation 3 sehr stark enttäuscht. Irgendwie ist alles nicht so das Wahre. Vom Preis, bis hin zur geklauten Controller-Idee. Sony konnte mich einfach nicht überzeugen. Und wer mir bei dieser Aktion am meisten leid tat war mein Redaktionskollege der nach 90 Minuten schlaf wieder raus musste. Die E3-Überraschung aus meiner Sicht ist ganz klar Nintendo, die mit ihrem Wii sehr gut überzeugen konnten und allgemein einen sehr souveränen Eindruck bei mir hinterließen. Microsoft war ebenfalls mit Trailern wie z.B. Halo 3 sehr gut beraten. Die Ankündigung, dass der nächste GTA Titel gleichzeitig auf Xbox 360 und Playstation 3 erscheinen soll hat mich ebenfalls für Microsoft positiv überrascht.
Trotz aller Kritik blicke ich recht positiv in die Sony-Zukunft und werde darauf hoffen, dass noch Einiges aus der Playstation 3 herausgeholt wird, sonst kann ich dem Unternehmen leider nicht so viele Chancen für die Zukunft auf dem Konsolenmarkt anrechnen.
Marco Neubert: Nein, nicht die Next-Gen Konsolen haben es mir auf der diesjährigen E3 angetan. Im Gegenteil: die Spiele mancher Entwickler konnten oftmals besser überzeugen als Wii oder PlayStation 3. Neben längst erkannten Perlen der Spieleindustrie wie zum Beispiel Hellgate: London, Warhammer Online oder auch Brothers in Arms 3 freue ich mich vor allem auf die großen Überraschungen wie z.B. Resistance für die PS3 oder auch Dark Messiah. Beide Titel haben mich bei der Präsentation mächtig beeindruckt. Großer Gewinner der drei Hauptkonkurrenten im Kampf um die Next-Gen war für mich Microsoft. Als einzige Firma baute sie konsequent das Zubehör der Xbox360 aus und stellte mit Gears of War und Halo 3 auch geniale Spiele vor, auf die man sich in Zukunft freuen wird.
Nachdem Microsoft überzeugen konnte, war ich von Sony und Nintendo gleichermaßen enttäuscht. Zum Pressetermin des Wii musste man sich leider mindestens eine Stunde lang in die Schlange stellen – positiv zu sehen, da dadurch das große Interesse deutlich gemacht wird, negativ zu sehen, da wir so Nintendos neuestes Meisterwerk aus Zeitgründen nicht ausgiebig testen konnten. Auch exklusive Entwickler-Präsentationen suchte ich bei Nintendo vergebens. Schade, da sich gerade mit durch den innovativen Controller die Entwicklung der Wii-Spiele wohl vollkommen anders gestaltet als bei den Konkurrenz-Konsolen. Auch das neben den beiden großen Spielen Zelda und Red Steel nur der Fungame-Bereich Beachtung fand war für mich enttäuschend. Zu gute halten muss man Nintendo aber den Preis für solche Spiele, denn der soll unter 40€ liegen. Gerüchten zu folge soll sogar der Preis der Konsole nicht über 200€ liegen, wenn dem so sein sollte hat Nintendo natürlich wesentliche Vorteile gegenüber Sony und Microsoft. Schade ist jedoch, dass man mit den Fungames auch wirklich nur zu zweit seinen Spaß hat. Diesen Eindruck zumindest, erweckte das auf der Messe beliebte Tennisspiel.
Sony präsentierte zwar mit Resistance - Fall of Man einen exklusiven Shooter für die PS3 und lies die Presse auch mal selbst Hand anlegen, doch ansonsten konnten man auch nur durch den hohen Preis und dem alten neuen Controller auffallen. Sony hat auf der E3 eher einen Schritt zurück statt nach vorne gemacht.